Angst vorm Zahnarzt überwinden mit diesen Tipps

Zum Zahnarzt gehen die wenigsten Menschen gern. Viele fühlen sich bei dem Gedanken unwohl, manchmal entwickelt sich sogar eine regelrechte Angst vor dem Zahnarzt. Wenn sogar Routineuntersuchungen beim Zahnarzt kaum zu bewältigen sind, sollten Betroffene handeln, um ihre Angst in den Griff zu bekommen.

  • Lesezeit ca. 5:30 Minuten
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  • 06.05.2021
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Behandlung beim Zahnarzt
© rgerber/pixabay.com

Die Angst vor dem Zahnarzt in den Griff bekommen – das ist leichter gesagt als getan. Viele Menschen quälen sich seit Jahren damit und fühlen sich nicht in der Lage, etwas an ihrer Situation zu ändern. Doch es gibt einige Tipps, die helfen können, die Angst vorm Zahnarzt zu mindern oder im besten Fall schon präventiv zu verhindern.

Angst vorm Zahnarzt ist psychische Belastung

Die Angst vor dem Zahnarzt ist nicht nur für die Zahngesundheit gefährlich, sondern auch für die Psyche. Die mentale Gesundheit leidet bei manchen Menschen enorm unter der ständigen Angst und dem Druck, dem sie sich ausgesetzt fühlen. Schlechte Zähne sind oft die Folge der Zahnarztangst. Diese erinnern im Alltag immer wieder daran und verstärken den Stress zusätzlich, den Betroffene empfinden. Es entsteht ein Teufelskreis, aus dem sie nur schwer herauskommen können.

Woher kommt die Angst vorm Zahnarzt?

Ein Besuch beim Zahnarzt ist für niemanden schön. Schon gar nicht, wenn es Probleme im Mundbereich gibt. Behandlungen beim Zahnarzt fühlen sich oft an, als sei man ausgeliefert und blossgestellt. Wer aber unter einer besonders schweren Angst vor dem Zahnarzt leidet, hat meistens sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Traumatische Erlebnisse, zum Beispiel in der Kindheit aber auch noch im Erwachsenenalter, können eine ausgeprägte Zahnarztangst hervorrufen. Solche Erlebnisse müssen nicht zwangsläufig mit starken Schmerzen zusammenhängen. Es können auch psychische Motive sein, die Patienten Angst einjagen. Wer sich zum Beispiel vom Zahnarzt falsch behandelt, nicht ernstgenommen oder übergangen fühlt, behält oft das Gefühl der Machtlosigkeit in Erinnerung.

Die Angst vorm Zahnarzt Schritt für Schritt überwinden

Egal, wie genau die Angst vorm Zahnarzt entstanden ist, es gibt in jedem Fall Möglichkeiten, sie zu überwinden. Leicht ist das mit Sicherheit nicht. Deshalb ist es wichtig, dass sich Betroffene gut vorbereiten und langsam an die Sache herangehen.

Der eigene Wille zählt

Zunächst müssen Angstpatienten aus freien Stücken entscheiden, dass sie etwas gegen ihre Zahnarztangst tun wollen. Auf Zwang oder unter Druck kann die Angst nicht überwunden werden. Nur aus freien Stücken sind Fortschritte machbar.

Eine Vertrauensperson finden

Es kann helfen, mit jemandem über die Zahnarztangst zu sprechen. Das kostet natürlich Überwindung, kann aber ein erster Schritt sein, die Angst in den Griff zu bekommen. Wer darüber redet, ist oft schon ein ganzes Stück weitergekommen. Wählen Sie dazu auf jeden Fall eine Person aus, der Sie sich anvertrauen können. Wenn Sie diese Rolle in Ihrem Bekanntenkreis niemandem zutrauen, hilft vielleicht zunächst der Austausch in einem Internetforum.

Die richtige Praxis finden

Zusammen mit ihrer Vertrauensperson können Sie beginnen, nach einer guten Praxis zu suchen. Besuchen Sie auf keinen Fall erneut eine Praxis, in der Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Schauen Sie sich lieber nach einem Zahnarzt oder einer Zahnärztin um, die auf Angstpatienten spezialisiert ist. Viele Praxen weisen darauf explizit auf ihren Webseiten hin. Durchstöbern Sie am besten zunächst das Angebot in Ihrer Region, ohne bereits einen Termin im Hinterkopf zu haben. Wichtig ist erst einmal, eine Praxis zu finden, die Ihnen ein gutes (bzw. weniger schlechtes) Gefühl vermittelt.

In kleinen Schritten herantasten

Haben Sie eine oder mehrere Praxen gefunden, die Ihnen vertrauenswürdig und sympathisch erscheint, können Sie sich ganz langsam herantasten. Schreiben Sie zum Beispiel zuerst eine E-Mail oder rufen Sie in der Praxis an. Fragen Sie nach der Behandlung und dem Umgang mit Angstpatienten und horchen Sie genau in sich hinein, ob Ihnen die Antworten gefallen. Fühlen Sie sich ernstgenommen? Erhalten Sie ausführliche Informationen? Verläuft das Gespräch sympathisch und ruhig? Erst wenn Sie sich hier ganz sicher fühlen, können Sie den Entschluss fassen, es mit dieser Praxis zu probieren.

Termin zum Kennenlernen vereinbaren

Auch wenn Sie sich am Telefon gut verstanden und aufgehoben fühlen, müssen Sie noch längst keinen Behandlungstermin vereinbaren. Gehen Sie alles ganz in Ruhe an und freuen Sie sich über Ihre Erfolge. Loben Sie sich selbst, dass Sie die Kontaktaufnahme bewältigt haben und gönnen Sie sich etwas zur Belohnung. Erst im nächsten Schritt rufen Sie erneut bei der Praxis an, um einen Termin zu vereinbaren – aber nicht zur Behandlung oder Kontrolle, sondern zum Kennenlernen. Womöglich hat die ausgewählte Praxis für Angstpatienten ohnehin einen eigenen Fahrplan, mit dem Sie sich ganz langsam herantasten können.

Übrigens: Für manche Angstpatienten gilt genau das Gegenteil. Sie benötigen bereits beim ersten Anruf einen sehr spontanen, zeitnahen Termin, um den Mut nicht zu verlieren. Auch hieran erkennen Sie eine gute Praxis für Angstpatienten: Sie geht auf Ihre individuellen Bedürfnisse ein.

Der erste Termin muss in Ruhe stattfinden

Der erste Termin zum Kennenlernen sollte so ruhig und stressfrei wie möglich verlaufen. In einer guten Praxis weiss das Personal genau, was bei einem solchen Termin zu tun ist. In aller Ruhe wird dem Angstpatienten die Praxis gezeigt. Alle Räumlichkeiten werden vorgestellt, ebenso wie das Personal, der Arzt oder die Ärztin und unter Umständen das Behandlungszimmer inklusive Gerätschaften. Wenn der Patient dazu bereit ist, kann sogar eine erste Kontrolluntersuchung stattfinden.

Hinweis: Sie haben jederzeit das Recht, nein zu sagen oder darauf hinzuweisen, dass es Ihnen zu viel wird. Das Praxispersonal muss Ihre Ängste verstehen und persönliche Grenzen einhalten. Lassen Sie sich nur auf eine Kontrolluntersuchung ein, wenn Sie wirklich dazu bereit sind.

Die erste Untersuchung muss genau erklärt werden

Bei der ersten Untersuchung sollte der Zahnarzt oder die Zahnärztin verständnisvoll und vertrauenswürdig auf Ihre Angst eingehen. Im Vorfeld und während der Untersuchung sollten alle Schritte genaustens erklärt werden. Was wird jetzt gemacht? Wozu ist es gut? Wird es wehtun oder nicht? Wie lange wird es dauern? Müssen Sie dabei irgendetwas tun? Wie können Sie während der Untersuchung kommunizieren? Was müssen Sie tun, um die Untersuchung abzubrechen? Wie geht es nach der Untersuchung weiter?

Eine Begleitperson kann helfen

Wer seine Zahnarztangst jemandem anvertraut hat, kann diese Vertrauensperson auch darum bitten, zu den ersten Terminen mitzukommen. Diese Entscheidung ist aber typabhängig und sollte individuell getroffen werden. Wenn Sie sich mit Begleitperson nur noch gestresster fühlen, lassen Sie sich die Begleitung nicht aufzwingen.



Bei besonders grosser Angst: Entspannungsmethoden oder Narkose

Wenn Sie auch mit den oben genannten Tipps ihre Angst nicht überwinden können und der Weg zum Zahnarzt für Sie immer noch unmöglich erscheint, sollten Sie es mit speziellen Entspannungsmethoden ausprobieren. Mithilfe von Experten können Yoga, Muskelentspannung oder Verhaltenstherapien angewandt werden. Manche Patienten möchten auch gar nichts von der Behandlung mitbekommen. Dann ist die Narkose oder der Dämmerschlaf eine mögliche Lösung. Fragen Sie am besten bei Ihrer Praxis nach den einzelnen Möglichkeiten.

Nach dem Zahnarztbesuch: Erfolge aufrechterhalten

Nach dem Zahnarztbesuch lassen Sie es sich am besten so richtig gut gehen. Belohnen Sie sich selbst für Ihre Überwindung und sprechen Sie mit anderen darüber. Erzählen Sie zum Beispiel Ihrer Vertrauens- und Begleitperson, wie Sie den ganzen Tag wahrgenommen haben. Wie hat es sich angefühlt? Was war gut und was war schlecht? Sind Sie stolz auf sich? Welche Situation war besonders schwer? Was haben Sie besonders gut gemeistert? Auch der Austausch in einem Internetforum kann sich anbieten, um den eigenen Erfolg zu feiern und zu teilen.

Unser Tipp: Vereinbaren Sie am besten direkt im Anschluss einen neuen Termin zur Kontrolluntersuchung. So stellen Sie sicher, dass Sie am Ball bleiben und müssen sich nicht erst wieder überwinden, zum Hörer zu greifen. In der Zwischenzeit können Sie sich und Ihren Zähnen zu Hause etwas Gutes tun. Entwickeln Sie zum Beispiel eine neue Routine für die Zahnhygiene und tauschen Sie sich mit anderen darüber aus. Das regelmässige Putzen und die Verwendung von Zahnseide und/oder Mundspülung kann Sie positiv daran erinnern, dass Sie schon viele wichtige Schritte geschafft haben.

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